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Credit Suisse und UBS
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Die beiden Grossbanken haben eine – allerdings zeitlich verschobene – Leidensgeschichte. Die UBS musste nach einem tiefen Sturz in der Finanzkrise und nach der Rettung durch den Staat schnell auf einen nachhaltigeren Kurs einschwenken und die Restrukturierung in Angriff nehmen. Über die CS ist der Altlasten-Tsunami erst vor vier Jahren verzögert hereingebrochen. In der Folge musste sie sich zweimal bei ihren Aktionären Kapital beschaffen, um sich über Wasser halten zu können. 
Während die UBS schon kurz nach der Finanzkrise den Fokus auf das Wealth Management richtete, das Investment Banking zurückstutzte und dieses als Zudiener für das Wealth Management ausrichtete, zog die CS erst 2015 unter dem damals neuen CEO Tidjane Thiam mit ähnlicher Strategie und der Neuformierung der Divisionen nach. Wenn alles gut geht, trägt die CS Ende Jahr einen vollen Korb Früchte als Lohn einer gelungenen Restrukturierung nach Hause. 
Für UBS-CEO Sergio Ermotti ist es indes schwieriger geworden, die Fantasien der Investoren zu wecken. Vielleicht ändert sich das mit der per 1. Februar 2018 erfolgten Zusammenlegung der Einheiten Wealth Management und Wealth Management Americas zu einem einzigen globalen Wealth-Management-Unternehmensbereich. 

 

Kopf-an-Kopf-Rennen

Derzeit liefern sich UBS und Credit Suisse ein Kopf-an-Kopf-Rennen – zumindest auf dem Börsentableau. Obwohl die UBS in den letzten Jahren deutlich stabiler unterwegs war als die Credit Suisse, vermochte sie die Analysten und Investoren weder mit ihrer Ertragskraft noch mit vielversprechenden Zukunftsszenarien zu überzeugen. So dümpelte der Aktienkurs vor sich her und verlor nach Bekanntgabe der Zahlen für das erste Quartal 2018 gleich 2 Prozent, obwohl die Bank relativ gut ins Jahr gestartet war und bereits ein Aktienrückkaufprogramm in Aussicht gestellt hatte. 
Derweil legte CS-CEO Tidjane Thiam – mit den grauenvollen Resultaten der letzten Jahre im Rücken – einen Blitzstart hin: Der Aktienkurs kletterte am Tag der Ergebnispräsentation zeitweilig um 5 Prozent und überholte nach einer dreijährigen Durststrecke jenen der Erzrivalin UBS. Die Vorzeichen änderten sich indes nicht nur an der Börse, sondern auch in der Dynamik der Spartenentwicklungen. Thiams ehrgeiziges, im Herbst 2015 aufgesetztes und drei Jahre dauerndes Restrukturierungsprogramm mit rigiden Sparmassnahmen (4,2 Milliarden Franken), ist gemäss seinen Aussagen im Plan und beginnt offenbar zu greifen. 
Im ersten Quartal 2018 hat die CS beim Nettoneugeld und bei den Margen im Wealth Management die Erwartungen der Analysten übertroffen, während die UBS hier eher enttäuschte, dafür aber im Investment Banking mit einem Glanzresultat punktete. Auch konnte Thiam die Kosten im Vorjahresvergleich um 6 Prozent senken, die UBS lediglich um 2 Prozent. Mit Kernkapitalquoten von 13,1 Prozent (UBS) und 12,9 Prozent (CS) sind beide Banken solide kapitalisiert, wobei die CS derzeit beim Abbau ihrer Altlasten aus der Finanzkrise schneller voranschreitet als die UBS. Ihre Bilanzen haben beide Konzerne in den letzten Jahren massiv herruntergefahren.  

 

Bekenntnis zum Heimmarkt Schweiz

Hierzulande agieren die UBS und die CS als Universalbanken. Mit den Gründungen der UBS Schweiz und der Credit Suisse Schweiz als rechtlich eigenständige Banken sowie durch die Hinwendung zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell hat auch der Heimmarkt wieder an Bedeutung gewonnen. Während Sergio Ermotti früher gegen das Anwachsen der Regulierungsdichte schrieb und vor einem Sonderfall Schweiz warnte, beschwor Tidjane Thiam die schweizerische Identität der Credit Suisse und ihre langjährige Tradition als Unternehmerbank, die mit Alfred Escher begonnen hatte. Operativ ist das Schweiz-Geschäft für beide Banken ein wichtiger, stabiler Ertragspfeiler. Allerdings ist es für die beiden mit Abstand grössten Anbieter im Land schwierig, weitere Marktanteile gewinnen zu können und Wachstum zu generieren. Umso mehr schrauben sie auf der Kostenseite, um die Netto-Erträge zu steigern. 
Nur eine Nebenrolle spielt bei beiden Grossbanken das Asset Management. Es liefert – ähnlich wie das Investment Banking – Lösungen für die eigenen Vermögensverwaltungskunden. Die UBS verwaltete per erstes Quartal 2018 rund 790 Milliarden Franken, die Credit Suisse kommt –mit anderer Spartenstruktur – auf 390 Milliarden Franken. Bei beiden sind die Erträge aus dem Wealth Management und aus dem Investment Banking zwei- bis viermal grösser. 

Lesen Sie mehr zum Grossbanken-Vergleich in der aktuellen Ausgabe der «Schweizer Bank»

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Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam (links) überzeugte die Anleger im ersten Quartal 2018 mit einem Schnellstart. UBS-CEO Sergio Ermotti ist es hingegen nicht gelungen, die Fantasien der Investoren zu wecken.
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UBS und Credit Suisse haben seit der Finanzkrise turbulente Zeiten durchgemacht. Ihre Marktkapitalisierung beträgt heute nur noch einen Bruchteil gegenüber den Vorkrisenzeiten. Ein Vergleich der beiden Erzrivalen zeigt die einschneidenden Veränderungen.
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Tue, 28/08/2018 - 13:09
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